Ob das gleißende Weiß einer Zahnpastawerbung oder das nervenaufreibende Halbdunkel eines Horrorfilms – der Einsatz von Licht macht bei der Filmproduktion oft den entscheidenden Unterschied. Genau wie die Auswahl der passenden Filmmusik oder die exakte Formulierung der Texte und Dialoge muss auch die Lichtgestaltung eines Films bis ins kleinste Detail geplant und auf die jeweilige Bildkomposition abgestimmt werden.

Um einzelne Elemente einer Szene sichtbar oder unsichtbar zu machen, um gezielt Effekte zu erzeugen oder gewünschte Stimmungen hervorzurufen, benötigt es neben kreativer Erleuchtung vor allem eins: Die erleuchtende Technik.

Und die Technik sprach: Es werde Licht!

Die volle Kontrolle über die Lichtverhältnisse beim Dreh erhält man am einfachsten in einem gänzlich abgedunkelten Raum. In den meisten Filmstudios herrscht aus diesem Grund beinahe absolute Schwärze. Sie ermöglicht es, bei der Gestaltung des Lichts direkt bei Null anzufangen. Ihr Augenlicht erhalten die Kameras ausschließlich dank der diversen künstlichen Lichtquellen wieder: Mehr oder weniger gerichtete Scheinwerfer, flächendeckende Fluter, Verfolgerspots, die scharfe Lichtkreise zeichnen, oder Blitzlampen, die das Wetter imitieren.

Für jedes gewünschte Lichtverhältnis existieren unterschiedliche Bauformen von Lichtquellen, die sich in ihrer Fokussierbarkeit, der Strahlungsqualität (weiche oder harte Schattenränder) und der Lichtleistung (Helligkeit) unterscheiden. Sie werden entweder auf Stativen oder an der Studiodecke angebracht. Während die durchschnittliche Leistung einer Lampe für ausreichend starkes Filmlicht früher bei etwa 800 Watt lag, kann man mit den heutigen Energiesparlampen und LEDs mit weniger als einem Zehntel der Leistung dieselbe Helligkeit erzeugen. LEDs haben darüber hinaus eine deutlich längere Lebenserwartung und müssen viel seltener ausgetauscht werden, weshalb sie in der Filmtechnik heutzutage immer häufiger zum Einsatz kommen.

Neben direkten Lichtquellen bedienen sich die Beleuchter einiger Werkzeuge, die eingesetzt werden, um das Licht der Lampen nach Belieben zu manipulieren. Dazu gehören unter anderem Farbfilter, die die Lichttemperatur beeinflussen und von strahlend rot bis dunkelblau reichen, Reflektoren, Aufhellungs- und Abschattungsmaterialien sowie Diffusionsmaterialien, die das Licht gleichmäßig streuen und die Übergänge zu den Schatten weicher zeichnen. Neben Kameras und Tontechnik hat ein Filmteam entsprechend viel zu tragen, sobald Aufnahmen außerhalb des Studios anstehen.

Die dunkle Seite der Sonne

Je nach Färbung des abgegebenen Lichts unterscheidet man bei Lampen zwischen Kunstlicht- und Tageslichtvarianten. Die Kunstlichtlampen erscheinen dabei eher rötlich und warm. Die Tageslichtlampen hingegen haben einen höheren Blauanteil und erinnern eher an das kühlere und rein weiße Licht der Sonne. Warum aber das Sonnenlicht imitieren, wenn man es doch auch direkt mit in seine Lichtgestaltung einbeziehen kann?

Tatsächlich kann man atemberaubende Effekte und angenehm natürliche Atmosphären erzeugen, wenn man bei Außenaufnahmen die Sonne als Lichtquelle nutzt oder sie an überdachten Drehorten durch die Fenster und Türen scheinen lässt. Als nicht manuell verstellbarer und manchmal durch Wolken verdeckter Fluter stellt die Sonne jedoch oft auch eine Herausforderung für das Filmteam dar. Dreharbeiten müssen zeitlich genau getaktet und räumlich ausgerichtet sein, um das Licht und die Wetterverhältnisse ideal ausnutzen zu können.

Am Morgen und Abend, wenn das Sonnenlicht aus einem schrägen Winkel eintritt, erzeugt es natürliche Schatten und kann von Minute zu Minute andere Highlights und Farbspiele hervorrufen. Dennoch ist es immer ratsam, auch beim Dreh mit der Sonne zumindest Reflektoren oder andere lichtführende Hilfsmittel dabei zu haben – so behält man auch bei leicht ungünstigen Verhältnissen die Kontrolle und ist flexibler unterwegs.

Das 3×1 der Lichtgestaltung

Obwohl in großen Filmstudios teilweise mit über hundert unterschiedlichen voreingestellten und fernsteuerbaren Scheinwerfern und Flutern hantiert wird, reicht es für Produktionen in kleinerem Rahmen bereits, nur zwei bis drei Lichtquellen heranzuziehen. Bei der sogenannten 3-Punkt-Beleuchtung handelt es sich zum Beispiel um eine klassische Grundlage des Lichtaufbaus, die vor allem für Interviewsituationen oder Portraitaufnahmen gut geeignet ist. Dabei werden drei Lampen um den Protagonisten herum platziert, sodass diese ihn aus drei unterschiedlichen Winkeln und von drei unterschiedlichen Seiten aus anstrahlen:

Das Hauptlicht, das auch als Führungslicht bezeichnet wird, beleuchtet die Vorderseite des Protagonisten schräg von der Seite, sodass ein kurzer Schatten der Nase innerhalb des Gesichts zu sehen ist. Das zweite Licht, auch Fülllicht genannt, steht im gleichen Winkel zum Protagonisten wie das Führungslicht, belichtet ihn allerdings von der anderen Seite und mit etwa der Hälfte der Helligkeit des Führungslichts. Dadurch wird der harte Schatten der Nase ein wenig reduziert, was die Belichtung voller und weicher erscheinen lässt. Das Fülllicht kann auch durch einen Reflektor ersetzt werden, was etwa denselben Effekt erzielt – und gleichzeitig Strom spart. Das dritte Licht (Spitzlicht) wird schließlich hinter und schräg über dem Protagonisten platziert. Es wird heller als das Führungslicht eingestellt und dient dazu, den Protagonisten vom Hintergrund abzuheben.

Mit einer solchen Grundbeleuchtung hat man den Protagonisten gut sichtbar in Szene gesetzt und erzeugt dank des noch vorhandenen, leichten Schattenwurfs innerhalb des Gesichts zugleich den Effekt von Dreidimensionalität und Struktur, die zur Natürlichkeit des Bildes beitragen. Von dieser klassischen 3-Punkt-Beleuchtung abgesehen gibt es unendlich viele Variationen und weitere Arten, Szenen mit Licht zu versehen – ganz abhängig davon, was man betonen oder auch bewusst verbergen möchte.

Von düsterer Dramatik und stimmungsvollem Schein

Beim Blick auf die unterschiedlichen Filmgenres und -stile fällt schnell auf, dass die Lichtgestaltung nicht bloß dazu dient, über Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit zu entscheiden. Absichtlich erzeugte Schatten oder das Tauchen der Szenen in ungewöhnliche Farben können ganz bestimmte Stimmungen erzeugen und sogar zur narrativen Ebene des Films beitragen.

Im noch gänzlich farblosen Film Noir der 40er- und 50er-Jahre wandeln zum Beispiel Mörder und andere Kriminelle zunächst durch künstlich und stark unnatürlich geführte Schatten unerkannt durch die erste Hälfte des Films, während die Augenpartien und Haare der unschuldigen weiblichen Charaktere oft mit einem hellen, weichen Licht hervorgehoben werden. Hier tragen also deutliche Grenzen zwischen Licht und Schatten unter anderem zur Dramatik und Charakterzeichnung innerhalb der Story bei.

Bei Imagefilmen oder Recruitingfilmen hingegen ist es oftmals eher ungünstig, wenn die gezeigten Mitarbeiter mit nur zur Hälfte sichtbaren und düstereren Mienen bei nächtlicher Finsternis durch die dunklen Gänge der Firma schleichen. Um die Professionalität, Offenheit und innovative Energie eines Unternehmens zu betonen, ist ein großzügiger Einsatz von weichem Licht am wirkungsvollsten. Das Setzen brillanter Highlights und die Nutzung natürlich einfallenden Sonnenlichts können maßgeblich dazu beitragen, eine positive Atmosphäre zu erzeugen und die strahlenden Eigenschaften eines Unternehmens hervorzuheben.