Ein nicht ganz alltägliches Projekt für unsere Crew: eine Zeitreise ins Mittelalter. Wo es bei uns sonst um Wirtschaft und Industrie geht, bevölkerten bei diesem Projekt Nonnen, Bauern und Lehnsherren das Storyboard. Das Ergebnis sind vier lehrreiche und unterhaltsame Animationsfilme. Sie gehören im Bersenbrücker Museum im Kloster zur neu eingerichteten Dauerausstellung.

Der Auftrag

Das Team vom Museum im Kloster hatte eine klare Vision: eine moderne Neugestaltung der Ausstellung. Da sind animierte Erklärfilme schon beinahe ein Muss. An vier Medienstationen können Besucher*innen ins mittelalterliche Leben eintauchen. Vom Leben einer einfachen Nonne bis zu gesellschaftlichen Umbrüchen gibt es hier viel zu lernen. Die animierten Filme lassen die spannende Geschichte der Region für kleine und große Besucher*innen lebendig und erlebbar werden.

Warum Animationsfilme?

Animationsfilme können eine hohe Emotionalität erzeugen. Arbeitet man mit animierten Figuren, schafft man durch sie viel Identifikationsfläche und regt die Fantasie an. So können sie komplexe Themen anschaulich vermitteln und die Zuschauer*innen zugleich emotional sehr berühren.

Animationsfilme eignen sich besonders, wenn es darum geht, komplexe Sachverhalte einfach und übersichtlich darzustellen. Vor allem bieten sie sich an, wenn man Dinge sichtbar machen will, die nicht oder nur mit großem Aufwand zu sehen sind. In der Industrie sind sie zum Beispiel hilfreich, um Maschinen und Bauteile von innen zu zeigen oder komplizierte Abläufe leichter nachvollziehbar zu machen. Außerdem können zusätzliche Inhalte, Informationen oder Veränderungen wie beispielsweise Größen- oder Farbvariationen einfach eingespielt werden.

Auch wenn der Aufwand für einen Realfilm unverhältnismäßig groß wäre, können Animationsfilme die Lösung sein. Im Falle des Museums im Kloster hätte man sehr viele Akteure benötigt, um die Geschichte lebhaft darzustellen. Auch die Beschaffung und Gestaltung originalgetreuer Kulissen und Drehorte wäre sehr aufwendig gewesen.

Konzeptentwicklung

Am Anfang des Projekts stand ein ausführliches Briefing. Das Museumsteam hatte schon konkrete Ideen, worum es in den vier Filmen gehen sollte. Sie hatten bereits Textmaterial zusammengestellt, das zur Grundlage des Storyboards wurde. Das Storyboard ist das Herzstück des Animationsfilms. Im Storyboard werden neben dem Text alle Einzelheiten zu Szenen, Kulissen, Charakteren und Handlungen Szene für Szene festgehalten. Es ist die Arbeitsgrundlage für die alle Umsetzungsschritte bis zum fertigen Film.

Bis das Storyboard stand, gab es einige Abstimmungsphasen. Zunächst machte sich unsere Illustratorin an die Arbeit. Sie stellte mit dem Museumsteam Bildmaterial zusammen. Sie entwickelten daran eine gemeinsame Vorstellung des gewünschten Stils für die Filme. Inspirationsquellen waren Originalfotos aus dem Klosterarchiv, aber auch Abbildungen von Spielzeug- und Trickfilmfiguren. Mit diesen Vorlagen gestaltete die Illustratorin die ersten Charaktere. Eine junge Nonne erhielt die Hauptrolle. Sie wurde zum Ausgangspunkt der Gestaltung für die gesamten Filme.

Parallel zu den ersten Illustrationen musste der Text überarbeitet werden. Es macht einen bedeutenden Unterschied, ob ein Text gelesen oder im Film gehört wird. Bei einem Text, den man hört, ist es viel wichtiger, dass die Sätze kurz und prägnant sind. Sie müssen auf den Punkt bringen, worum es geht und die Zuschauer*innen gut mitnehmen: Es muss mitgedacht werden, was im Bild zu sehen sein wird, wie der Blick gelenkt und wie Text und Bild in Zusammenhang gesetzt werden sollen.

Stil und Emotionen

Da die Zielgruppe des Klosters sehr breit ist und vor allem auch Kinder und Jugendliche angesprochen werden sollen, fiel die Entscheidung auf eine reduzierte, kindliche Darstellungsform. Die knubbelnasigen Hauptdarsteller erinnern stark an Zeichentrickfiguren.

Bei der Gestaltung der Figuren war die Illustratorin gefordert, Möglichkeiten zu finden, in so einer reduzierten Darstellungsweise Emotionen zu erzeugen. Eine ziemliche Detailarbeit, in der eine erhobene Augenbraue Erstaunen und zwei rote Flecken auf den Wangen Wut anzeigen können. Ein Trick war, die Proportionen der Figuren so zu verändern, dass die Gesichter eine möglichst große Fläche einnahmen, um über sie die Emotionen zu transportieren. Blinzelnde Augen, Wechsel in der Gesichtsfarbe, bewegte Füße oder auch Körner pickende Hühner im Hintergrund – diese Kleinigkeiten machen Animationsfilme lebendig.

Die Entstehung

Als Laie kann man dem fertigen Animationsfilm kaum ansehen, wie viel akribischer Detail- und Abstimmungsarbeit darin steckt. Szene für Szene und Detail für Detail wurde das Storyboard umgesetzt – jede Kulisse, jede Figur, jedes Auge, das blinzelt – bis die Filme wirklich zum Leben erwachen.

Dahin führten viele kleine Entwicklungsschritte: zuerst grobe Animationen, um zu sehen, wie Bild und Tonspur zusammenspielten. Realfilmaufnahmen, Fotos und Grafiken kamen hinzu. Nach und nach wurden die Animationen immer feiner und raffinierter. Bis zum Schluss jedes Detail saß: Wütende Lehnsherren, vertriebene Nonnen und Goldschätze, die in Klosterwänden eingemauert wurden.

Das Team vom Museum im Kloster hatte während der gesamten Produktionszeit Einfluss auf das Ergebnis und konnte seine Expertise direkt einfließen lassen. Besonderes Augenmerk wurde natürlich daraufgelegt, dass alle Details historisch korrekt sind. Die enge Zusammenarbeit und gute Abstimmung, ist bei Animationsfilmen besonders wichtig, da es nicht möglich ist, bereits im Briefing alle Details vorauszusehen. Manches wird erst im Zusammenspiel der einzelnen Elemente sichtbar und die Filme reifen nach und nach in der Zusammenarbeit.

Das Ergebnis

Das Ergebnis sind vier liebevolle Filme, komplett auf Animationsbasis, die die wechselvolle Klostergeschichte sehr lebendig erzählen. Ist auch die akribische Detailarbeit nicht auf den ersten Blick sichtbar, die Liebe zum Detail von allen Beteiligten kann man deutlich spüren!
Wenn Sie neugierig geworden sind, besuchen Sie doch direkt das Museum im Kloster und sehen Sie sich die Animationsfilme selbst an!