David Janus ist gehört zum Team der LAVA Studios in Paderborn. Dort arbeitet er als Musikproduzent und Komponist und beschäftigt sich mit allem, was mit Musik und Sound zu tun hat: von der reinen Aufnahme einer Band über Radiospots und Jingles bis hin zu Filmmusik und Filmvertonung.
Im Interview verrät er uns, was das Besondere an der Musik für Imagefilme ist und welche Herausforderungen ihm beim Vertonen eines Films bisher begegnet sind.

 

Bevor wir zur Musik kommen, ein Film lebt in erster Linie besonders von Geräuschen. Das sogenannte Sounddesign ist ja auch Teil deiner Arbeit. Was genau ist das eigentlich?
Wir benutzen den Begriff Sounddesign in einem weiteren Sinne und meinen damit auch Soundvertonung. Dafür arbeiten wir meistens mit unserer Sound-Library. Da haben wir bestimmt 20.000 verschiedene Geräusche digital gespeichert. Die meisten Dinge, die man so aus dem Alltag kennt, die haben wir auch. Auto- und Pferde-Sounds zum Beispiel, das kann man immer sehr gut daraus nehmen. Im engeren Sinne ist mit Sounddesign aber eigentlich gemeint, dass man Sound auch wirklich designt, also kreiert. Wenn wir einen Sound tatsächlich nicht in unserer Sound-Library haben, um eine Szene zu vertonen, müssen wir uns halt ausdenken, wie wir den erzeugen können.

Hattest du da mal Schwierigkeiten?
Es gab mal einen Imagefilm, bei dem wurde beim Dreh kein Ton aufgenommen, weil es in der Halle zu laut war. Diesen Film sollte ich dann nachträglich vertonen und da musste ich wirklich analog Sounddesign machen. Ein Geräusch, das ich unter anderem nachahmen sollte, kam von einer Blechschiene, auf die etwas draufgestellt und dann darübergeschoben wurde. Und ich wusste einfach nicht, wie das klingt, und das konnte mir auch keiner wirklich erklären. Da musste ich mir was ausdenken. Ich bin dann durch das Studio gelaufen und habe überlegt, wie ich dieses Geräusch machen kann, wenn ich diesen Gegenstand nicht habe. Da muss man erst mal ähnliche Materialien finden. Das war am Ende ein Metallwinkel für Regalbretter und eine Plastikverpackung für Spielkarten. Die habe ich dann über das Metall gezogen. Wenn man dieses Geräusch mit dem Bild zusammen sieht, merkt man gar nicht, dass es nicht der Originalton ist.

Gibt es einen großen Unterschied bei der Musik für verschiedene Filmgenres?
Also, jedes Musikgenre, jede Musikrichtung funktioniert ja erst mal anders. Man setzt immer verschiedene Musikinstrumente und verschiedenartige Kompositionen ein. Das ist jetzt aber weniger an ein bestimmtes Filmgenre geknüpft. Es ist die Entscheidung vom Regisseur oder vom Filmproduzenten, was er sich vorstellt. Mit unterschiedlicher Musik kann man unterschiedliche Emotionen erreichen. Mit einem Orchester ist es zum Beispiel einfacher, einen Film traurig oder pathetisch wirken zu lassen.

Welche Funktion kann Musik in einem Film denn noch übernehmen?
Das lenken von Emotionen ist schon die zentrale Aufgabe. Aber man kann mit Musik natürlich auch ein musikalisches Logo oder einen Wiedererkennungswert kreieren. Das bekannteste Beispiel ist da natürlich Telekom. Die Melodie hat ja irgendjemand irgendwann mal auf dem Klavier geschrieben und seitdem ist es deren Jingle, seit bestimmt 20 Jahren. Wenn man das hört, hat man sofort ein Bild im Kopf.

Jingles und kleinere Melodien klingen ja sehr simpel. Sind damit dann auch Komposition und Produktion einfacher?
Es kommt immer darauf an, was der Kunde sich vorstellt und was er transportieren möchte. Ob es um moderne Technologien eines Weltkonzerns geht oder ein kleines Handwerksunternehmen sein Familienbusiness vorstellt – das sind komplett unterschiedliche Soundwelten, in denen man sich da bewegt. Da ist die Schwierigkeit, eine Komposition zu finden, die kurz genug ist, um die gewünschten Aussagen zu integrieren, aber gleichzeitig auch noch catchy ist. Ich würde sagen, es ist herausfordernd.

Ist es nicht auch sehr schwierig, das umzusetzen, was ein Kunde nur im Kopf hat?
Die Schwierigkeit besteht darin, dass sich die meisten Kunden musikalisch nicht so ausdrücken können. Sie benutzen dann oft Begriffe, bei denen wir zwar wissen, was gemeint ist, die aber für uns Musiker etwas anderes bedeuten. Was uns immer wieder auffällt, ist das Wort Dynamik. Die meisten Leute verbinden damit Geschwindigkeit oder Harmonie, aber in der Musik heißt Dynamik einfach nur ein Unterschied der Lautstärke. Da gibt es so einige Begriffe, die öfter mal fallen und wo es dann schwierig wird zu verstehen, was der Kunde eigentlich möchte. Oft gibt es aber auch schon einen Beispielsong und damit eine grobe Orientierung, in welche Richtung es gehen soll. Oder wenn der Film schon in einer Rohschnittfassung vorliegt, sieht man meistens auch bereits, was ausgedrückt werden soll.

Gibt es bei der Musik für Imagefilme irgendwelche bestimmten Charakteristika?
Ich treffe immer wieder auf das weit verbreitete Klischee, dass Imagefilmmusik langweilig ist. Das muss sie aber gar nicht sein. Wir im Studio haben den Anspruch, dass egal wie eindimensional die Vorgaben für den Imagefilm sind, wir am Ende trotzdem gute Musik kreieren. Es kommt aber immer auf die emotionale Intention an. Es gibt Imagefilme, die sind sehr produktbezogen. Da würde ich mehr auf die technische Seite gehen und moderne Instrumente wie Keyboard oder Synthesizer benutzen. Wenn ein Film aber eher die Tradition einer Firma darstellen soll und viele Menschen gezeigt werden, kann man anspruchsvoller komponieren. Da kann man sich mehr Zeit nehmen und eine Melodie ausdenken, die dann auch etwas Bestimmtes repräsentiert. Dabei ist es dann aber natürlich wichtig, dass man nicht zu viel macht. Die Musik darf nicht vom Inhalt und der Message des Films ablenken.

 

Wenn Sie mehr zum Thema Musik & Sounddesign wissen möchten, dann kontaktieren Sie uns.