Patrick Vogel ist studierter Architekt. Er hat sich auf Werbung und 3D-Design spezialisiert und ist heute mit seiner Designagentur ALT/SHIFT in Hamburg selbstständig. Dort entwirft er Designkonzepte und kreiert ausdrucksstarke Bilder und Animationen. Sein Fokus liegt dabei auf fotorealistischen Darstellungen.
Im Interview spricht er mit uns darüber, wie solche Bilder entstehen, wem sie etwas nutzen und welche Grenzen es dabei gibt.

 

Für welche Branchen arbeitest du?
Wir haben ein ganz breites Spektrum an Kunden und wir machen viel im Bereich Architektur und Immobilien-Visualisierung sowie Industrie-Visualisierung, aber auch Werbung im Allgemeinen. Das können dann die unterschiedlichsten Sachen sein: Artworks, Animationen oder Motion-Graphics und Motion-Design. Alles, was man auf Plakaten oder im Internet sieht, was irgendwie in 3D modelliert ist, können wir umsetzen.

Wie kann man sich so einen Auftrag im Bereich Architektur vorstellen?
Ein Projektentwickler hat mit einem Architekten zusammen ein neues Wohngebäude oder Hotelprojekt entworfen. Und das soll jetzt verkauft werden. Der Entwurf ist da, aber es werden Bilder gebraucht, die das Projekt lebendig erscheinen lassen. Damit die potenziellen Käufer schon vorher sehen können, wie die Wohnung oder das Haus mal in echt aussehen wird. Wir bekommen die Planunterlagen, die wir gut lesen können, weil wir ja Architekten und Innenarchitekten sind, und daraus gestalten wir das 3D-Modell und generieren dann am Ende fotorealistische Bilder oder Animationen.

Welchen Vorteil bringt denn 3D im Verkauf? Warum reicht ein normales Bild nicht mehr?
Die meisten Kunden möchten, dass alles immer realistischer aussieht. Noch bevor ein Gebäude gebaut oder ein Produkt hergestellt ist, soll es jemand sehen können. Und da hat man, je hochqualitativer die Darstellungen sind, bessere Chancen, das zu verkaufen. Zum Beispiel hat sich eine Werbeagentur bei uns gemeldet, die drei neue Raumleuchten einer Firma vermarkten soll. Das heißt, sie brauchen von uns – passend zu der Leuchte – einen schönen Raum, zum Beispiel eine Lounge oder so. In einer stimmigen Umgebung integriert, lassen sich die Leuchten viel besser darstellen, sie wirken so auch direkt ansprechender für den Kunden.

Wie funktioniert das eigentlich, so ein fotorealistisches Bild herzustellen?
Das ist schon ein superkomplexer Prozess. Zu den grundlegenden Schritten gehört erst mal das Modelling. Das heißt, man modelliert digital, quasi wie mit Ton, was man später zeigen möchte. Dann gibt es das Texturing, das heißt, man gibt den Bauteilen oder den verschiedenen Komponenten Farben und Oberflächen. Diese Texturen müssen aber auch erst mal erstellt werden. Sie sind zweidimensional und werden auf das Modell gelegt. Der dritte Schritt ist, das Modell in eine Szene zu integrieren, bei dem man dann auch mit Licht arbeitet. In Schritt vier kommt eine virtuelle Kamera ins Spiel, mit der wir filmen oder fotografieren. Danach geht’s an den Feinschliff mit Photoshop, After Effects und Co.

Das sind ja wirklich viele, aufwendige Schritte. Wie lange brauchst du denn in der Regel, um einen Raum zu erstellen und digital einzurichten?
Also, wenn es wirklich fotorealistisch sein soll, dann kann man für ein Bild bei einem 8-Stunden-Tag schon eine Woche rechnen. Man kann dann natürlich, sobald die Szene einmal fertig ist und der Kunde sich eine andere Perspektive wünscht, einfach eine neue Kamera setzen und muss nicht noch mal alles neu erstellen. Das ist das Gute. Das erste Bild dauert immer am längsten.

Ist 3D für dich eher Kunst oder steht der praktische Nutzen im Vordergrund?
Ich würde das schon absolut künstlerisch sehen. Das ist auch immer unser Ansatz, wenn wir an neue Sachen rangehen. Wir versuchen, auch aus der langweiligsten Industriemaschine eine aufregende Visualisierung zu machen. Das versuchen wir eigentlich bei jedem Projekt – und es macht uns einfach unfassbar viel Spaß. Auf unserem Instagram-Account toben wir uns auch richtig aus, da geht das dann schon auch in eine abstraktere Kunstrichtung.

Ist es denn möglich, wirklich alles fotorealistisch darzustellen, oder gibt es auch Grenzen?
Nein, da gibt es keine Grenzen. Mittlerweile ist die Technik so weit, dass man alles machen kann. Was schwierig ist, aber auch machbar, sind Gase, Rauch oder Flüssigkeiten. So was muss halt durch einzelne Partikel simuliert werden. Das dauert einfach doch ein bisschen länger.

Kann man 3D-Art auch für einen Realfilm nutzen?
Na klar, sehr wirkungsvoll sogar. Das ist aber erst mal etwas aufwendiger: Ich muss die Daten von den echten Bildern nehmen und per Motion-Tracking auswerten und in einen 3D-Raum übersetzen. Und da rein kann ich dann meine 3D-Modelle einbauen. Besonders schwierig dabei ist, das digitale Licht an das reale anzupassen, sodass es miteinander verschmilzt. Aber wenn das gut gelingt, dann ist einfach alles vorstellbar. Man kann dadurch Sachen in den Film einbauen, die real nicht existieren, und auch Physik und Naturgesetze außer Kraft setzen. Entweder fotorealistisch, sodass nicht mal auffällt, dass 3D im Spiel ist, oder man macht es absichtlich sichtbar. Das wirkt dann schon echt spannend und besonders, weil man das bei normalen Filmen nicht gewohnt ist. 3D ist einfach ein Tool, um Leute sehr schnell zu überzeugen, wenn man es gut macht.

 

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