Die Raumtänzer GmbH wurde 2015 an der Universität Bielefeld als Spin-off gegründet. Besonderes Spezialgebiet von Christian Terhechte und seinem Team ist der Einsatz von Augmented Reality, um eine ganz neue Bilderfahrung zu schaffen. Was Augmented Reality (AR) überhaupt ist und wie vielseitig man sie aktuell und in Zukunft für Unternehmen nutzen kann, verrät er uns im Interview.

 

Ganz grundlegend: Was ist Augmented Reality?
Am einfachsten versteht man es, wenn man Augmented Reality übersetzt mit „erweiterte Realität“. Man kann also die vorhandene Realität, die man mit den Augen wahrnimmt, noch einmal visuell erweitern. „Maschinell sehen“ kann man auch dazu sagen. Es geht darum, dass eine Maschine die Umgebung wahrnimmt, diese scannt und ein Bild dort reinprojiziert. Das einfachste Beispiel ist die beim Fußball eingeblendete Abseitslinie. Man kann diese erweiterte Realität aber auch mithilfe einer App durch die Kamera eines Smartphones sehen, oder auch mit einer speziellen Datenbrille.

In welchen Bereichen findet das denn aktuell Anwendung?
Da gibt es grundsätzlich den Bereich Marketing und den industriellen Kontext. In der Industrie kann einem diese Datenbrille zum Beispiel helfen, eine Maschine zu warten. Die Brille erkennt die Maschine und kann dadurch Schritt für Schritt genaue Anweisungen für die Wartung geben. Also, wo man welche Klappe öffnen muss oder welches Bauteil entfernt werden muss. Das wird einem dann im dreidimensionalen Raum gezeigt.

Und wie sieht Marketing mit Augmented Reality aus?
Man kann immer Printunterlagen – wie wir es nennen – digital veredeln. Damit meine ich: Kataloge, Flyer, Broschüren oder Roll-up-Displays mit digitalem Content ausstatten. Man erzielt damit immer einen wahnsinnigen Innovationseffekt. Über einen Printmarker, den man mit dem Smartphone scannt, können Animationen oder Videos auf dem Papier sichtbar gemacht werden. Das Tolle ist, dass sich dieses digitale Material auch immer noch mal austauschen lässt. Man kann dann zum Beispiel Filme während verschiedenen Jahreszeiten drehen und jeweils passend einsetzen. Damit ist man ausgesprochen flexibel.

Hast du irgendwelche Beispiele für diese Vielseitigkeit von AR?
Wir haben mal für einen Kunden eine digitale Schnitzeljagd für eine Messe entwickelt. Das heißt, Kunden müssen verschiedene Hinweise beim Messestand suchen, mit der entsprechenden App scannen und dann treten über das Smartphone Figuren auf und stellen Quizfragen oder geben Infos. Genauso haben wir das sehr gewinnbringend für eine digitale Stadtführung gemacht. Da haben wir Rheda-Wiedenbrück mit 25 Objekten, also Häusern und Sehenswürdigkeiten, in eine App gebracht. Wenn man sich mit dem Smartphone vor eine Hausfassade stellt und diese scannt, passiert etwas damit. Entweder kommen Leute aus dem Haus, die wir vorher vor Greenscreen aufgenommen haben, oder ein digitales Fahrrad fährt durchs Bild, weil in diesem Haus früher mal ein Fahrradhändler war.

Ist das technisch sehr aufwendig?
Die Software haben wir fertig entwickelt, die kann man auf Lizenzbasis bei uns erwerben. Aufwendig ist im Endeffekt, die Inhalte zu sammeln, zu sichten, zu bewerten und dann auch so aufzubereiten, dass sie angezeigt werden können. Das ist der Hauptaufwand. Wir sind in erster Linie Software-Lieferant und haben Partner, die das ganze Projektmanagement übernehmen. Die setzen sich mit Unternehmen zusammen, erstellen ein Konzept und sammeln, managen und erstellen alle Inhalte. Manchmal sind dann eben auch Videos und 3D-Animationen dabei, die zum Teil sehr aufwendig sind.

Wie würdest du denn den aktuellen Entwicklungsstand von AR einordnen?
Wir bekommen momentan einen richtigen Aufschwung mit. Gerade weil jetzt immer mehr Datenbrillen auf dem Markt auftauchen, die auch gebrauchstauglich sind. Wir merken, dass AR einfach anwendbarer wird für den Endkunden. Primär erst mal übers Tablet oder Smartphone. Datenbrillen ermöglichen dann aber noch mal viel mehr, weil man ja seine Hände frei hat und dann ganz anders interagieren kann. Und das geht jetzt mit ziemlich großen Schritten voran. Wenn man der einschlägigen Presse folgt, dann arbeiten viele große Unternehmen mit Hochdruck an diesen mobilen Datenbrillen. Man sagt, wer diesen Markt für sich entscheidet, der ist das nächste Facebook oder Google.

Gibt es irgendwas, auf das man beim Einsatz von AR besonders achten sollte?
Also, ganz wichtig ist, dass man sich als Unternehmen einen Plan für den Einsatz von Augmented Reality macht. Weil sonst wendet man es ein Mal an, alle finden es erst mal ganz gut, aber dann verläuft es im Sande. Es ist sehr wichtig, dass man da nicht zu aktionistisch rangeht. Besser man startet erst mal mit einer Anforderungsanalyse, und dann geht man in eine Prototypenentwicklung. Bei der Anforderungsanalyse macht es durchaus schon Sinn, auch die kundenorientierte Betrachtung mit aufzunehmen, also das persönliche Gespräch mit dem Kunden zu suchen. Den entstandenen Prototypen gleicht man laufend mit den Nutzererfahrungen ab und dann kann man hinterher auch ein komplettes Geschäftsmodell darauf aufbauen und entwickeln. Wir haben viele Kunden aus dem Maschinenbau hier in der Region, wo wir genau das gerade tun. Wir entwickeln mit denen ein Geschäftsmodell der Zukunft.

 

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