Ob Imagefilm, Messespot, Firmenporträt oder Recruitingclip – Unternehmensfilme sind das Aushängeschild par excellence. So unterschiedlich die verschiedenen Filmtypen auch sind, eins haben sie alle gemeinsam: Sie erzielen nur dann einen bleibenden Eindruck beim Betrachter, wenn das Gezeigte authentisch ist. Authentizität erreicht man über echte Mitarbeiter, echte Chefs und echte Szenen aus der täglichen Arbeitswelt.

Und jetzt, Hand auf Herz! Wer kann schon von sich behaupten, dass er sich jeden Tag wie das blühende Leben fühlt … und vor allem genauso aussieht? Vermutlich niemand. Bei dem einen sind es die dunklen Augenschatten, bei dem anderen die eher blässliche Haut. Einem Dritten wiederum sieht man an der noch wunden und geröteten Nasenspitze an, dass die letzte Erkältung erst ein paar Tage her sein muss.

Hinzu kommt der gnadenlose Scheinwerfer und die hochauflösende Filmkamera. Sie bringen alles ans Tageslicht, was im Normalfall mit der Lupe gesucht werden muss: erweiterte Äderchen, ungeliebte Hautunreinheiten oder die lästigen kleinen Bläschen um die Mundpartie. Die übliche Aufregung bei einem Filmdreh im eigenen Unternehmen erledigt den Rest. Da können selbst dem gestandenen Geschäftsführer die roten Stressflecken ins Gesicht schießen, wenn es heißt: „Kamera läuft – Film ab!“

Experten sorgen für ein frisches und natürliches Aussehen

Wer mit professionellen Filmteams zusammenarbeitet, der muss sich um all das keine Sorgen machen. Sie haben einen Fachmann im Gepäck: den Visagisten oder auch Make-up-Artist. Er gehört genauso zur Filmcrew wie der Kameramann oder der Beleuchter und darf an keinem Set fehlen. Denn der Visagist sorgt dafür, dass die Menschen im Film gut aussehen. Gut, das heißt in diesem Fall: frisch, gesund und natürlich.

Visagisten haben gelernt, ein Gesicht so zu schminken, dass weder die kleinen Schönheitsfehler zu sehen sind noch das Make-up, das sie abdeckt. Gerade für Männer ist dieses Prozedere oft ungewohnt. Sie legen Wert darauf, ungeschminkt auszusehen. Warum das Make-up also nicht gleich ganz weglassen? Der Hauptgrund ist das Licht. Es schluckt zu viel Farbe, was die Haut später im Film fade und ungesund aussehen lässt.

Es ist nicht alles Gold, was glänzt

Dass die Protagonisten vor dem Dreh abgepudert werden sollten, damit ihre Haut nicht glänzt, wissen die meisten. Das liegt einfach daran, dass das Licht beim Drehen auf der Haut reflektiert. Diese „weißen Flecken“ werden später im Film als Glanz wahrgenommen. Daher müssen übrigens auch Menschen mit matter Haut vor einer Aufnahme abgepudert werden.

Was hierbei jedoch häufig unterschätzt wird: Auch Abpudern will gelernt sein. Zunächst einmal muss für die vielen verschiedenen Hauttypen das richtige Puder ausgewählt werden. Allein dafür braucht es Expertise, Erfahrung und das nötige Equipment. Außerdem ist darauf zu achten, dass die Farbe möglichst nah an die natürliche Hautfarbe herankommt. Andernfalls sieht das Gesicht entweder zu blass aus oder es wirkt maskenhaft. Darüber hinaus ist es eine echte Kunst, die Haut so abzupudern, dass der Glanz zwar verschwindet, das Puder am Ende aber nicht sichtbar ist. Ein Gesicht erscheint bereits wie zugespachtelt, sobald sich der kleinste Teil des Puders in den Poren, Gesichtshärchen oder Bartstoppeln absetzt.

Für die Filmindustrie ein Meilenstein, für Visagisten eine große Herausforderung: die HD-Technologie

Seit der Entwicklung der HD-Technologie sind die Anforderungen sowohl an den Visagisten als auch ans Make-up deutlich gestiegen. Die höhere Auflösung führt einerseits dazu, dass kleine Makel viel größer erscheinen, als sie tatsächlich sind. Ein weiterer unerwünschter Nebeneffekt der gestochen scharfen Aufnahmen: Auch das Make-up tritt viel deutlicher in Erscheinung. Ein Visagist muss also sehr genau arbeiten und um einiges mehr darauf achten, dass die Personen im Film weiterhin Natürlichkeit ausstrahlen und nicht überschminkt aussehen.

Nebenbei bemerkt, die Kosmetikbranche hat in diesem Zusammenhang schnell reagiert und ein sogenanntes HD-Make-up auf Silikonbasis entwickelt. Die Produkte sind so fein, dass die Kamera sie nicht einfängt. Gleichzeitig decken sie ausreichend ab.

Kein Film ohne professionelles Make-up – nicht in Hollywood und nicht Bielefeld

Wer denkt, dass sich Gesichtsfarbe, Glanz auf der Haut oder kleinere Schönheitsfehler problemlos noch nach dem Dreh korrigieren lassen, der irrt. Zwar bietet die heutige Technik durchaus Möglichkeiten, auf ein blass aussehendes Gesicht einen strahlenden Teint zu zaubern. Auch für fleckige oder glänzende Haut gibt es die jeweiligen technischen Helferlein. Der Arbeitsaufwand, solche Korrekturen in der Postproduktion durchzuführen, übersteigt jedoch jegliches Mafl.

In diesen Fällen gibt es im Grunde nur eine sinnvolle Lösung: die Szene komplett neu abdrehen … und den Visagisten vorher seine Arbeit machen lassen. Denn nur ein Profi hat’s raus, dass ein Gesicht frisch und gesund und trotzdem wie ungeschminkt aussieht – authentisch eben.