Ein Unternehmensfilm transportiert Ideen und Visionen. Er liefert viele Informationen in kurzer Zeit und ist dennoch unterhaltsam und kurzweilig. Er vermittelt Emotionen und öffnet den Betrachter für das Thema. Die Wahrscheinlichkeit, dass jemand im Netz auf den Play-Button drückt, ist um ein Vielfaches höher, als dass er auf den Link klickt, der zum entsprechenden Text führt.

Die Stimme aus dem Off

Die Aufmerksamkeit beim Film liegt in erster Linie auf den gezeigten Bildern. Doch auch der Ton trägt wesentlich zur Wirkung eines Films bei. Hierzu zählen Geräusche, Musik und der gesprochene Text. Ob nun im Film, in Werbespots, in Hörbüchern oder im Radio – Stimmen aus dem Off begegnen uns im Grunde jeden Tag. Häufig kommen sie uns bekannt vor, weil es sich dabei um prominente deutschsprachige Schauspieler oder Sänger handelt. Oder wir meinen, sie zu kennen, weil dieselben Sprecher auch Hollywoodgrößen ihre Stimme geben, und wir sie sofort mit diesen in Verbindung bringen. Wir hören aber auch alltägliche Stimmen. Stimmen von Personen, die an der Supermarktkasse hinter uns stehen, im Kino neben uns sitzen oder unsere Arbeitskollegen sein könnten.

Auf den Tonfall und die Wortwahl kommt es an

An die folgende Sequenz aus einer TV-Werbung der Neunziger kann sich vermutlich jeder noch gut erinnern:

Und wann fahren Sie Ihr Auto weg?
Isch abe gar kein Auto, Signorina.

Was wäre, hätte der Sprecher nicht diesen – für viele sympathisch klingenden – italienischen Akzent? Hätte er in perfektem Hochdeutsch geantwortet? Ich habe gar kein Auto. Wirkung wahrscheinlich verfehlt. Ein anderes Beispiel: Ein bekannter Müslihersteller aus Süddeutschland ist mit seinen Radiowerbespots unglaublich erfolgreich, obwohl die Stimme und das, was im Spot gesagt wird, bei so manchem Zuhörer die Nerven strapaziert.

Die Sprache ist also ein Medium, das Identität stiftet. Durch sie und insbesondere durch die Stimme wird Aufmerksamkeit fokussiert. Sprache und Stimme sind – genauso wie das Bewegtbild – Träger von Information und Emotion. Hierdurch wird Persönlichkeit und Individualität ausgedrückt. Im Falle eines Unternehmensfilms verleiht die Stimme dem Unternehmen einen Charakter.

In der Regel unterstützt der Sprecher mit seiner Stimme die Bedeutung und Aussage der gezeigten Bilder im Film. Selbstverständlich kommt es auch auf die Wortwahl an. Das Gesagte muss die Zielgruppe erreichen. Aber auch das Wie spielt eine Rolle. Denn wer wirklich überzeugen will, sollte einen Sprecher wählen, der genau den Tonfall trifft, den Bild und Text verlangen.

Klangfarbe, Timbre, Stimmqualität und was dahintersteckt

Die Klangfarbe einer Stimme ist das Zusammenspiel von Grund- und Obertönen bzw. deren Schwingungen. Diese im Normalfall harmonischen Teiltöne werden zu einem einheitlichen Klang vermischt und dadurch als einzelner Ton wahrgenommen.

Das Timbre hingegen – obgleich es im allgemeinen Verständnis oft mit der Klangfarbe gleichgesetzt wird – hat wissenschaftlich betrachtet nichts mit harmonischen Teiltönen zu tun. Es beruht vielmehr auf den individuellen Eigenheiten eines Sprechers, zum Beispiel nicht harmonischen Frequenzen im Stimmklang oder dialektischen Einfärbungen. Das Timbre ist sozusagen der akustische Fingerabdruck eines Menschen.

Mit dem Begriff Stimmqualität werden alle Eigenschaften einer Stimme zusammengefasst. Hierzu gehören neben der Klangfarbe und dem Timbre unter anderem das Volumen, die Stimmstärke und Klangdichte oder auch die Sonorität. Letzteres beschreibt, ob eine Stimme zum Beispiel volltönend oder piepsig, klar oder hauchig, weich oder schrill klingt.

Trotz aller Kategorisierungsmöglichkeiten – am Ende ist es immer auch die subjektive Wahrnehmung, ob eine Stimme wohlklingend und melodisch oder disharmonisch und unpassend empfunden wird.

Sprechen kann doch eigentlich jeder

Wie eine Stimme klingt, hängt von vielen Faktoren ab: von den körperlichen Eigenschaften des Sprechers, aber auch von inneren und äußeren Einflüssen. So hört man zum Beispiel an der Stimme, ob es jemandem gut geht oder ob er traurig ist: Du klingst so komisch, ist alles in Ordnung bei dir?

Die Stimme ist also kein absolut gleichbleibendes Charakteristikum, sondern auch Ausdruck der aktuellen körperlichen und psychischen Befindlichkeit. Sie unterliegt im Alltag Schwankungen. Aus diesem Grund eignet sich auch nicht jeder als Sprecher für einen Film. Hierfür gibt es Profis. Sie sind ausgebildet und haben gelernt, den richtigen Ton zu treffen – unabhängig ihrer Tagesform.

Kriterien für einen guten Sprecher im Unternehmensfilm

Wer einen Film für sein Unternehmen produzieren lassen möchte, stellt sich automatisch die Frage nach einem geeigneten Sprecher. Er bzw. seine Stimme sollte sowohl zum Unternehmen als auch zum Inhalt des Films passen. Soll es ein Mann oder eine Frau sein? Oder vielleicht ein Kind? Soll die Stimme erfahren und seriös klingen? Oder eher jung, frisch und dynamisch? Bei der Wahl des Sprechers ist außerdem zu überlegen, ob der Film möglicherweise noch in anderen Sprachen – bestenfalls mit demselben Sprecher – vertont werden soll. Und wer auf Regionalität setzt, sollte über die Vor- und Nachteile einer Stimme mit Lokalkolorit nachdenken.

Zwei weitere wichtige Kriterien sind: die Zielgruppe und die Botschaft. So fühlen sich zum Beispiel junge Menschen von anderen Stimmen angesprochen als ältere. Das heißt aber nicht zwangsläufig, dass bei einer jüngeren Zielgruppe nur junge Stimmen funktionieren und von der älteren Generation ausschließlich „60 plus“-Stimmen positiv wahrgenommen werden. Jedoch kann eine Stimme, welche junge Menschen zu 100 % abholt, für ältere unseriös und damit unglaubwürdig klingen. Bei der Botschaft ist wiederum zu unterscheiden, ob eher sachliche Informationen vermittelt werden sollen oder eine emotionale Message im Vordergrund steht. Ein Sprecher, der im Nachrichten-Stil komplizierte Sachverhalte gut und verständlich kommunizieren kann, muss nicht unbedingt gut darin sein, emotionale Botschaften darzustellen.

Bei vielen Unternehmen sind bekannte Synchronsprecher besonders beliebt. Ihre Stimmen haben einen hohen Wiedererkennungswert und bieten dadurch einen klaren Vorteil: Vertrautheit. Diese Wirkung überträgt sich automatisch auf das Gezeigte im Film, zum Beispiel das Produkt. Aber Vorsicht, die Assoziation mit dem Star ist nicht bei jedem Menschen gleich. Die einen mögen zum Beispiel Bruce Willis, Anthony Hopkins oder Sandra Bullock, die sie mit der deutschen Synchronstimme sofort vor Augen haben, die anderen eben nicht.

Ob Goldkehlchen oder lautes Organ – die Stimme muss ins Konzept passen

Das gesprochene Wort, der Sprecher und seine Stimme sind wesentliche Bestandteile eines Films. Die Entscheidung für einen Sprecher sollte daher nicht leichtfertig getroffen werden, macht seine Stimme den Film sprachlich doch unverwechselbar. So hat neben den Bildern, Geräuschen und der Musik auch der Sprecher eine Wirkung. Er berührt, amüsiert, animiert, regt zum Nachdenken an, bringt zum Lachen … Unternehmen sollten daher immer prüfen, ob der Sprecher bzw. seine Stimme ins Konzept – das heißt zu ihnen, zum Thema und zur Botschaft des Films – passt.